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Leica Oskar Barnack Award Newcomer 2014: Alejandro Cegarra „The Other Side of the Tower of David“

Preisträger Award Newcomer 2014: Alejandro Cegarra

Der Leica Oskar Barnack Award Newcomer 2014 geht an Alejandro Cegarra aus Venezuela. Seine Fotostrecke „The Other Side of the Tower of David“ ist den Hausbesetzern einer Bauruine in Caracas gewidmet.

Mit dem Fotoprojekt „The Other Side of the Tower of David“ gibt der venezolanische Nachwuchsfotograf Alejandro Cegarra Hausbesetzern in Caracas ein Gesicht. Ursprünglich als Sitz einer Großbank, Bürokomplex und Hotel der Stadt geplant, bietet die Bauruine des Centro Financiero Confinanzas, auch Torre de David (Turm des David) genannt, heute rund 2000 bis 2500 illegalen Bewohnern ein Zuhause. Das Hochhaus entstand ab 1990 im Auftrag des Investors David Brillembourg. Nach ihm erhielt es auch seinen Namen „Torre de David“. Der bislang nur im Rohbau fertiggestellte Wolkenkratzer besitzt 45 Stockwerke und ist 192 Meter hoch. Bedingt durch die Finanzkrise und den Tod David Brillembourgs wurden die Arbeiten 1994 eingestellt. Im Oktober 2007 besetzten die ersten Bewohner aus den Armenvierteln der Stadt die Investruine. Nach und nach bevölkerten immer mehr Menschen die leer stehenden Etagen und bauten diese mit provisorischen Mitteln in Eigeninitiative zu Wohnungen aus. Außenstehende erhalten nur selten Einblicke in die Gemeinschaft, die sich dort gebildet hat. Der Turm steht im Verruf, Verbrechen und Kriminalität zu beherbergen. Umso mehr überrascht es den Fotografen, wie aufgeschlossen die Menschen ihm gegenübertreten und bereitwillig Einblicke in ihre Privatsphäre gewähren.

Alejandro Cegarra zeigt eine „andere“ Facette des Turms: seine Bewohner, die sich nach Normalität, Alltag und Akzeptanz sehnen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen dokumentieren ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit und einem Ort der Sicherheit. Wünsche, die der venezolanische Staat bislang nicht erfüllen konnte. Der Turm ist für seine Bewohner Zufluchtsort und Zuhause, aber auch Symbol ihrer Revolution gegen die Missstände. Was einst als Wahrzeichen der Stadt geplant war und diese als wichtiges Wirtschaftszentrum repräsentieren sollte, weist nun auf das Versäumnis des Staates hin.

Alejandro Cegarra

Alejandro Cegarra (Jahrgang 1989) war nach seinem Studium der Fotografie und Werbung zunächst in der Werbebranche tätig, bis er als Fotojournalist bei der größten Zeitung Venezuelas, „Ultimas Noticias“, anfing. Heute arbeitet er für The Associated Press in Caracas.

www.alecegarra.com